| Kross, Jaan: Der Verrückte des Zaren |
| Montag, den 30. November 2009 um 07:50 Uhr |
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Ich versuche seit einiger Zeit, mich durch die zweite Reihe der SZ-Bibliothek zu arbeiten. Das fällt mir deutlich schwerer als bei der ersten. Nach zwei, drei Büchern, die ich wieder weggelegt habe, habe ich endlich mal wieder eines zu Ende gebracht. Um den Roman "Der Verrückte des Zaren" von Jaan Kross wirklich gut zu verstehen, hätte ich michallerdings erst mit der Sozial- und Politikgeschichte Russlands Anfang des 19. Jahrhunderts beschäftigen müssen. Vielleicht hole ich das später nach und lese dann das Buch nochmal. Aber auch ohne dieses Hintergrundwissen ist es ein sehr lesenswertes und interessantes Buch. Es ist keines von denen, die man nicht mehr aus der Hand legt. Es ist in Tagebuchform geschrieben. Jakob Mättik hält darin die Ereignisse um seinen Schwager, Oberst Timotheus von Bock fest. Dieser war ein enger Freund des Zaren, der geschworen hatte, ihm - also dem Zaren - immer die Wahrheit zu sagen. Das wird ihm zum Verhängnis, als er in einem Memorandum die Missstände im russischen Reich darlegt. Er wird neun Jahre lang eingekerkert und schließlich als verrückt entlassen. Der Versuch einer Revolution von oben, Vaterlandsliebe, Wahrheit, Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse (Der Adelige Timotheus von Bock heiratet ein Bauernmädchen), Freiheitsideale etc. sind der Leitfaden für Timotheus von Bocks Handeln. Das bringt ihn ins Gefängnis, das isoliert ihn später. Er wird weiterhin überwacht. Selbst der geplanten und schon fast durchgeführten Flucht aus Russland, um mit seiner Familie wieder freier Leben zu können, zieht er das Bleiben aus Vaterlandsliebe vor. Das bringt ihm schließlich aus ungeklärten Umständen den Tod. |