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Ich habe gestern meinen Sohn bei einer Veranstaltung des Deutschen Tonkünstlerverbandes (DTKV), die sich "Das junge Konzertpodium" nennt, begleitet. Der DTKV veranstaltet jedes Jahr sogenannte Auswahlspiele. Die sind regional begrenzt und sollen besonders auch Kindern, die gut auf ihrem Instrument sind, aber bei Jugend musiziert keine Chance hätten, Gelegenheit geben öffentlich aufzutreten. Mein Sohn bewirbt sich immer auf der Blockflöte mit gutem Erfolg, so dass er bei dem Konzert im Kammermusiksal der Musikhochschule mitmachen darf.
Diese Auswahlspiele werden natürlich auch gerne als eine Art Generalprobe von Jugend-musiziert-Kandidaten genutzt. Das ist an sich kein Problem. Es sei denn, es stehen die Instrumente Violine, Violoncello oder Klavier bei Jugend musiziert an. Diesmal war es Violine. Und so waren gerade in der Altersklasse von 9 - 11 etliche GeigerInnen dabei. Die kamen zum Großteil von dem neueingerichteten "Pre-College Cologne", einem Kompetenzzentrum der Musikhochschule Köln für Hochbegabte.
Das Konzert begann mit einer neun Jahre alten Geigerin. Als sie anfing zu spielen, dachte ich, ich bin hier völlig falsch. Es war unglaublich, was sie in ihrem Alter an Technik, aber besonders an Musikalität und Gefühl, ja fast schon persönlichem Ausdruck in das Spiel legen konnte. Das war bei insgesamt fünf oder sechs Kindern der Fall. Ein Mädchen, zehn Jahre alt, spielte die Zigeunerweisen von Sarasate. Wahnsinn!! Ein Junge, 11 Jahre, den ersten Satz des Violinkonzertes von Max Bruch. Unglaublich!! Klar war das gemessen an den erwachsenen Geigergrößen nicht gut, aber darin liegt ja genau die Gefahr, dass man die Relation völlig verliert, und vergisst, dass das noch ziemlich kleine Kinder sind; und daran gemessen ist das wie von einem anderen Stern. Diesen Kindern stehen Bereiche offen, da würde ich in 200 Jahren nicht hinkommen.
Die negative Seite ist, dass von diesen unglaublich spielenden Kindern nur eines die Höchstpunktzahl erreicht hat. Das fand ich gelinde gesagt eine Unverschämtheit den anderen gegenüber. Und: Da diese Kinder auf Grund der Anordnung nach Alter zuerst dran waren im Konzertablauf, kamen all die anderen Kinder, die zum Teil auch überdurchschnittlich gespielt haben, aber halt keine Wunderkinder sind, sehr schlecht weg. Das fand ich sehr ungerecht. Man vergleicht zwei Welten, die nicht zu vergleichen sind. Ich hoffe, die Lehrer oder Eltern haben es ihren Schülern bzw. Kindern so vermitteln können.
Außerdem hoffe ich, dass vielleicht bei den Verantwortlichen klar geworden ist, dass man da besser zwei Konzerte gemacht hätte. |