| Tour de France 2010 |
| Sonntag, den 08. August 2010 um 15:58 Uhr |
|
Den diesjährigen Sommerurlaub habe ich allein mit meinem Sohn verbracht. Wir entschlossen uns, eine Fahrradtour zu machen. Mein Sohn wollte an die Loire und an den Atlantik. Zuviel Schlösser und Städte anschauen ist aber nicht so seine Sache. Nach einiger Recherche entdeckte ich, dass es einen Radwanderweg vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer gibt, dessen Frankreich-Teilstück uns sehr gelegen kam: Von Basel bis an die Loire-Mündung. Ich besorgte mir Kartenmaterial - es gibt ein Six-Pack speziell für diese sogenannte "Route six" - und begann mit der Planung. Aus Kostengründen war Camping angesagt. Insgesamt war es ein hartes Stück Arbeit, bis alles stand. Besonders schwierig war die Organisation der Rückfahrt. Letztlich kamen wir zu folgender Lösung: Wir packten die Fahrräder ins Auto und fuhren bis Karlsruhe. Dann mit dem Zug nach Belfort. Mit dem Fahrrad und hin und wieder ein Stück mit dem Zug bis an die Loire-Mündung. Dann ein paar Tage Atlantik. Die Rückfahrt mit dem TGV bis Karlsruhe und mit dem Auto zurück nach Köln! Kompliziert, aber nicht anders machbar. Einige Dinge waren noch zu besorgen, besonders ein Vorschuss-Geburtstagsgeschenk in Form eines neuen Fahrrades für meinen Sohn und einige Campingutensilien. Dann konnte es los gehen. Hier ist der genaue Tourbericht: -> Wandern -> Tour de France: Route six
Was ich absolut nicht einkalkuliert hatte, obwohl es eigentlich auf der Hand lag: Wir fuhren von Osten nach Westen. Von etwas südlicher nach etwas nördlicher. Das heißt: Wir hatten eigentlich immer Gegenwind. Und der war manchmal ziemlich heftig. Wir nahmen es sportlich und ich muss sagen: Insgesamt war mein Sohn sehr flott unterwegs. Hut ab! Das Wetter war ansonsten sehr Radtour freundlich. Wir starteten in Belfort zwar mit Regen, aber der war nach einer Stunde vorbei. Dann kam die Sonne vermischt mit Wolken, und so blieb es bis wir wieder in Karlsruhe waren. Die "Route six" war am Anfang hervorragend; sowohl markiert als auch geteert. Ein Fahrradtourhimmel. Später wurde das leider anders. Schwierig wurde es, als nur eine sehr sporadische Markierung eine Route anzeigte, die mit der auf der Karte nicht übereinstimmte. Das ergab manchmal kaum fahrbare Feldwege, oder hin und wieder auch kleine Irrtümer. Was einem an der Route irgendwann auf den Keks geht, ist die panische Angst derer, die die Route angelegt haben, man könnte mit dem Autoverkehr in Kontakt kommen. Da wird neben einer kaum befahrenen Straße extra ein Fahrradweg angelegt. Da kreuzt man mindestens viermal die etwas stärker befahrene Durchgangsstraße, um auf Nebenwegen aus drei Kilometern sechs zu machen. Da wird auf einem Deich ein Fahrradweg angelegt, super geteert, der nach fast jedem Kilometer von einer Durchfahrtssperre gegen Autoverkehr blockiert wird, durch die man sich auch als Fahrradfahrer nur mühsam hangelt. Gut gemeint, aber DAS NERVT. Und hin und wieder scheint die entsprechende Gemeinde darauf bestanden zu haben, dass die Route durch ihr Dorf führt. Landschaftlich ist die Fahrt am Doubs sehr reizvoll. Und auch im weiteren Verlauf ab Orléans - kurz vorher sogar schon - ist es schön. Aber der Abschnitt dazwischen, zumindest den, den wir gefahren sind, denn wir haben ja ein paar Stellen mit dem Zug überbrückt, war nicht so hinreissend.
1. Chambord: Eines der architektonisch interessantesten Schlösser. Es zeigte sich, dass das wirklich eine gute Auswahl war. Alle drei Schlösser beeindruckten uns nachhaltig, aber jeweils anders. Die Touristenmassen hielten sich sehr in Grenzen. Und mein Sohn hörte mit viel Geduld und Interesse den Ausführungen der Audio-Guides zu, die es meistens gab und die gar nicht so teuer waren. Nachdem wir glücklich und müde in Pronichet am Atlantik angekommen waren, relaxten wir wohlverdient am Strand. Das Wasser war schön und gerade warm genug um 10 Minuten zu baden, jedenfalls für mich. Der Strand war super und nur von 14 bis 17 Uhr etwas voller, der Wind kühl genug, um die heiße Sonne am Strand zu ertragen. Denn eigentlich bin ich kein Sonnenanbeter. Da dummerweise unser Zeltplatz auch keinen Schatten aufwies, war ich schon manchmal etwas genervt. Ich brauche auch Schatten! Alles in allem ein schöner Aufenthalt am Meer.
So fuhren wir urlaubssatt nach 14 Tagen wieder zurück nach Köln. |

Die Radtour war Klasse. Wir haben in neun Tagen ungefähr 750 km zurückgelegt. Das sind mehr als 80 km am Tag. Klingt nicht soo viel. Aber mit dem ganzen Gepäck besonders für's Zelten ist man schon schwerfälliger unterwegs, vor allem wenn doch mal der eine oder andere Hügel kommt. Und von der Zeitplanung her habe ich unterschätzt, wie zeitaufwändig die ganze Zeltauf- und abbauerei ist, und wie schwer es ist, meinen Sohn morgens zügig in die Gänge zu bekommen. Vor 10.30 Uhr saßen wir nur zweimal auf dem Fahrrad. Beide Male um einen Zug zu erwischen. Ich hatte mit 9 Uhr gerechnet. Aber das stellte uns nicht wirklich vor Probleme. Es blieb nur weniger Zeit, in den Städten oder Schlössern rumzugucken. War aber nicht schlimm.
Dafür, dass ich absolut keine Camping-Erfahrung habe, ging es erstaunlich reibungslos. Ich hatte die Campingplätze vorher rausgesucht und auch eine Anfahrtsskizze mitgenommen. So gab es nie Probleme. Der Zustand der Anlagen war aber sehr unterschiedlich und hatte nach meinem Gefühl wenig mit den vergebenen Sternen zu tun. Meistens waren die Sanitäranlagen eher suboptimal; trotz dreier Sterne. Wir frühstückten Croissants und Milch, mittags gab es Sandwiches und abends Dosenfutter. Das gibt es in Frankreich aber in großer Auswahl. Dazu viel Multivitaminsaft. Ausserdem waren wir zweimal Essen.
Bei der Auswahl der Loire-Schlösser bin ich folgendermaßen vorgegangen: Nahe an der Route. Nicht mehr als drei. Die Tagesetappe darf nicht zu lang sein. Die Schlösser sollten bemerkenswert sein. Ich kam glücklicherweise zu einer ziemlich optimalen Lösung: