Auvergne
Dienstag, den 17. Juli 2007 um 12:06 Uhr

Uns hat es dieses Jahr wieder nach Frankreich gezogen. Unser Sohn fängt nächstes Schuljahr mit Französisch an, und ich lerne es fleißig in der VHS. Da muss man natürlich die erlernten Fähigkeiten mal testen. Da für den Urlaub nicht allzuviel Geld zur Verfügung stand, suchten wir ein preiswertes Ferienhaus. Wir sind in der Auvergne, genauer gesagt im Cantal (noch genauer im Pays de Salers) fündig geworden.

ferienhaus

Wir waren schon einmal vor drei Jahren in der Auvergne. Damals in der Ecke von "Le Puy-en-Valey". Jetzt wollten wir in erster Linie wandern und entschieden uns für die "Monts du Cantal". Das sind die Reste eines Riesenvulkanes der vor Urzeiten explodiert ist und eine zum Teil bizarre Berglandschaft übriggelassen hat. Unser Ferienort hieß Drom, ein Ortsteil von Sainte Eulalie. Er besteht aus ungefähr fünf bewohnten Häusern, fünf unbewohnten und zwei Ferienhäusern. Das kleine war unseres. Genau passend für drei Personen. Die Ankunft war spät - erst um ca. 21 Uhr waren wir da -, aber der Empfang trotzdem herzlich. Im Kühlschrank warteten einige Gastgebergeschenke: Eier von eigenen Hühnern, eine auvergnatische Wurst und eine selbstgemachte "Mousse à la foie de volaille" - wirklich köstlich. Später wurden wir auch noch mit frischem Salat und geräuchertem Schinken versorgt. Das ist ein Service!

Das Wetter spielte uns in den nächsten Tagen noch so manchen Streich. Nachdem wir am Sonntag bei recht gutem Wetter unsere erste Wanderung um den Ort "Le Falgoux" absolviert hatten, wurde es in den nächsten Tagen deutlich regnerischer und vor allem viel kühler. Am Dienstag wagten wir eine zweite kurze Wanderung und wurden prompt mit viel Regen bestraft. Die Stimmung war trotzdem gut. Es waren zwei Furten zu überwinden (die ersten von vielen weiteren), was unserem Sohn besonders Spass machte, obwohl er gleich bei der ersten seinen Fuß im Wasser zwangskühlte. Am Mittwoch wurde der Kälte- und Regenrekordpunkt erreicht. Am Donnerstag brachen wir dann bei trockenem aber kühlem Wetter zur dritten (und ersten großen) Wanderung auf. Wir hatten uns die Route von Mandailles auf den Puy Chavaroche ausgesucht. PassDazu mussten wir mit dem Auto erstmal auf die andere Seite des "Pas de Peyrol".

Dazu mussten wir mit dem Auto erstmal auf die andere Seite des "Pas de Peyrol".  Auf der Passhöhe (1588m) hatte es sage und schreibe acht Grad. In Mandailles selbst dann doch immerhin 14. Der Weg war super, unser Sohn unglaublich ausdauernd, und auf dem Gipfel des Puy Chavaroche (1739m) wurden wir bei klarem Himmel mit einem wunderbaren Panorama belohnt.

Bei hochsommerlichen Temperaturen ging es am Samstag zur vierten Tour. Diesmal von St-Julien-de-Jordanne (ein Nachbarort von Mandailles) über den "Col de Bellecombe" und den "L'Elancèze" nach Mandailles und im Tal wieder zurück nach St-Julien.
Eine letzte Tour am darauffolgenden Donnerstag bei wunderbar sommerlichen Wandertemperaturen (es gingen am Montag und Dienstag wieder Kälterekorde voraus) führte uns rund um den "Puy de Peyre Arse". Wobei wir auch die Touri-Wanderoute über die "Brèche de Rolland" überstehen mussten. Mein Gott! - Wie auf der Autobahn bei Ferienbeginn. Viel zu viel Menschen!
Ansonsten waren alle Wanderungen fantastisch: Abwechslungsreich, kindertauglich ab ca. 10 Jahre (bei ausdauernden Kindern), landschaftlich reizvoll, tolle Flora und immer wieder die wunderschönen Salers-Rinder.
Wer mehr zu den Touren wissen möchte, kann unter der Rubrik "Wandern" noch Genaueres erfahren.

Panorama

An den Nicht-Wandertagen blieben wir entweder im Ferienhaus (z.B. bei Dauerregen) und spielten das Siedlerkartenspiel, Carcassone oder Skat, oder wir besuchten die kleine Städtchen Mauriac und Salers, und die Schlösser "Château de Val" und "Château d'Anjony". Einen Tag reservierten wir für die Departement-Hauptstadt Aurillac. Dort besuchten wir auch das Fest "Les Européens du goût", ein kleines Schlemmertreffen. War aber nicht ganz so ausgiebig, wie der Name vermuten ließ.

Trotz der Wetterkapriolen habe ich mich glänzend erholt und konnte von der ersten Minute an entspannen.

Was ist sonst zu erwähnen?

Die Auvergnaten sprechen im Cantal nicht ganz so Asterix-like. Das "Sch" hält sich doch sehr in Grenzen. Da waren wir von vor drei Jahren anderes gewohnt. Aber man spricht keine Nasale. Also Peng, demeng, maisong usw. Das ist schon ganz schön krass.

Dorf

Die Gegend ist für den Urlaub nur geeignet, wenn man akzeptiert, dass man eigentlich außer Wandern nichts Großartiges unternehmen kann. Der größte Ort im ganzen Departement ist Aurillac mit sage und schreibe ca. 30 000 Einwohnern. Auf der westlichen Seite der "Monts du Cantal" (dort waren ja wir) gibt es dann noch Mauriac mit ca. 4000 Einwohnern. Der Rest ist Dorf, und zwar kleines Dorf. Besonders in den Tälern um die "Monts du Cantal" ist die Zeit stehengeblieben. In den Dörfern gibt es im Sommer, manchmal sogar wöchentlich, sogenannte Marché de Pays. Es werden Produkte der Umgebung verkauft, meistens wird eine Truffade angeboten (Kartoffeln, Zwiebeln und viel, viel Käse) und es wird zum Tanz eingeladen. Wir wollten uns auch auf solch eine Veranstaltung wagen. Stellten aber fest, dass das Ganze doch sehr familiär ist und wir uns da als ausländische Touristen fehl am Platz gefunden hätten. Was etwas nervt, sind die strikten Essenszeiten. Das haben wir schon in Aurillac beim "Eßfest" erfahren. Wer mittags nicht da ist, kriegt nichts mehr zu Essen. Das ist auch auf den kleinen "Marché de Pays" so. Dort wird abends Truffade angeboten. Allerdings nur einmal. Kommt man zu spät - Pech gehabt. Es ist dann nicht leicht, noch was Anständiges aufzutreiben.

Die Landschaft empfand ich als sehr ursprünglich. Die Zeichen der modernen Zivilisation sind nur spärlich vertreten. Selbst die Strassen lassen manchmal befürchten, man habe sich verfahren. Die Landschaft wird natürlich geprägt von den "Monts du Cantal". Durch Erosion haben sich steile Bergrücken und tiefe Täler gebildet, die sich strahlenförmig um die "Monts du Cantal" verteilen. Um vom einen Tal ins andere zu gelangen, kann man entweder steile, serpentinenreiche Strassen wählen, oder muss dem Tal bis zu seinem Ausgang folgen.
Ebenso beeindruckend sind die Passtrassen, die mitten durch die "Monts du Cantal" führen.
Kuh

Auf den Almen, die bis an die Bergspitzen reichen, grasen die berühmten Salers-Rinder. Die haben ein wunderschönes braunes Fell, das leicht gelockt ist - sehr schön -, und besitzen auch ganz beachtliche Hörner. Ausserdem schmeckt der Käse von diesen Kühen, der Salers-Käse, vorzüglich. Hier und da gibt es auch kleine Schafherden. Die Almen sind oft richtige bunte Blumenparadiese. Wir waren gerade noch rechtzeitig da. Besonders aufgefallen sind uns die vielen Alpenveilchen, der gelbe Enzian, der Frauenschuh und dann vor allem Ginster und Heidelbeersträucher in Massen.

Was wir in unserem Urlaub immer wieder feststellen: Ohne ausreichende Französisch-Kenntnisse kommt man in der "Pampa" nicht wirklich zurecht. Die Leute können oft nur französisch. Bei den Vermietern der Ferienhäuser muss man oft anrufen, Führungen in Schlössern werden nur auf französisch angeboten und auch für alle anderen Aktivitäten gibt es das nötige Informatinsmaterial oft genug nur auf französisch. Gott sei Dank habe ich ein sprachbegabte Frau geheiratet!

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