| Tour de France: Route six (mit dem Rad) |
| Sonntag, den 08. August 2010 um 16:57 Uhr |
|
Diesmal also ein Bericht über eine Radwanderung. Mein Sohn und ich entschlossen uns in den Sommerferien eine Fahrradtour zu machen. Mein Sohn wollte an die Loire und an den Atlantik. Viele Schlösser und Städte anschauen ist aber nicht so seine Sache.
Nach einiger Recherche entdeckte ich, dass es einen Radwanderweg vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer gibt, dessen Frankreich-Teilstück uns sehr gelegen kam: Von Basel bis an die Loire-Mündung. Ich besorgte mir Kartenmaterial - es gibt ein Six-Pack speziell für diese sogenannte "Route six" - und begann mit der Planung. Aus Kostengründen war Camping angesagt. Ich entdeckte schnell, dass wir in zwei Wochen, einschließlich einiger Tage am Atlantik, nicht die ganze Route schaffen würden. So bastelte ich an einer Lösung, einige Strecken mit dem Zug zu überbrücken. Das ist gar nicht so einfach, da die Züge in Frankreich oft nur zwei- dreimal am Tag fahren, und auch die Streckenführung hin und wieder merkwürdig erscheint. Dafür kann man in den Regionalzügen, den TER, relativ problemlos und kostenlos die Fahrräder mitnehmen. Die Hinfahrt war einfach zu lösen: Ein durchgängiger EC (im ICE kann man natürlich keine Fahrräder mitnehmen) von Köln bis Basel, und dann im TER bis Belfort. Was mir aber viel größeres Kopfzerbrechen bereitete, war die Frage: Wie bekommen wir unsere Fahrräder wieder vom Atlantik zurück? Nachdem ich im Internet in einer Mitteilung aus dem Jahre 2009 freudig gelesen hatte, dass im Thalys bald Fahrräder mitgenommen werden können, schien auch das gelöst. Doch leider, wie so oft bei der Bahn (dabei ist es ja eigentlich die SNCF), wurde aus der Ankündigung nichts. Ich suchte Rat in der SNCF-Filiale in Köln. Die einzige Möglichkeit - denn auch im TGV kann man Fahrräder höchst selten mitnehmen - war die Strecke St. Nazaire-Paris-Karlsruhe. Gut dann Karlsruhe. Nur, wenn man um ca. 18:30 Uhr mit dem Zug in Karlsruhe landet, kommt man, wenn man Fahrräder dabei hat, nur mit viel viel Mühe und Zeit wieder zurück nach Köln. Schließlich kam mein Sohn auf die rettende Lösung: Wir packen die Fahrräder ins Auto und fahren bis Karlsruhe. Dann mit dem Zug nach Belfort und auf der Rückfahrt eben von Karlsruhe mit dem Auto zurück nach Köln. Es geht halt einfach nicht ohne Auto! Einige Dinge waren noch zu besorgen, besonders ein Vorschuss-Geburtstagsgeschenk in Form eines neuen Fahrrades für meinen Sohn und einige Campingutensilien. Dann konnte es los gehen. 1. Tag, 50 km Gegen acht Uhr fuhren wir in Köln los. Wir kamen ausnahmsweise pünktlich weg. Der Routenplaner im Internet sagte 2 Stunden und 50 Minuten für die Strecke voraus. Wir waren dann kurz nach 11 Uhr in Karlsruhe. Es war auf der A5 zum Schluss doch viel Verkehr. Einen Parkplatz hatte ich mir vorher schon überlegt: Bei der Europahalle. Aber Mist! Da war eine Veranstaltung am selben Tag, und es war nichts mehr frei. Nach ein bisschen Rumgesuche haben wir aber dann doch schnell einen Parkplatz gefunden, von dem ich annehmen konnte, dass da unser Auto zwei Wochen unbeschadet, unabgeschleppt und kostenfrei stehen kann.
Als der Zug dann einfuhr, fuhr ein Wagen mit einem Fahrradzeichen an uns vorbei und vor uns hielt der Wagon mit der anschließenden Nummer. Wir eilten also zu diesem Fahrradwagon ohne nochmal die Wagennummer zu überprüfen, hievten das Gepäck in den Wagen und ein Fahrrad hinterher, fanden aber keinen Platz für die Fahrräder. Komisch. Wir sahen, dass die anderen Radler zwei Wagons weiter hinten einstiegen. Eine Schaffnerin half uns den ganzen Kram wieder rauszuräumen und zwei Wagons nach hinten zu transportieren. Was war geschehen? Der Wagon mit dem Fahrradzeichen hatte eine andere Wagennummer und kein Fahrradabteil. Das Fahrradabteil war im Wagon mit der richtigen Wagennummer, hatte aber außen kein Fahrradzeichen. DB! Wir packten das Gepäck in die Ablagen und nahmen glücklich unsere Plätze ein. Nun hatten wir Ruhe bis Basel. Auch in Basel gab es Aufzüge, allerdings passte da nur ein Fahrrad rein. Aber immerhin. Wir mussten zum französischen Bahnhof wechseln. Unser Zug wartete bereits und wir suchten das Fahrradabteil. Auch hier war es komischerweise so, dass am richtigen Wagon außen nichts dran stand. Immerhin konnte man sein Fahrrad auch in die Wagons mit dem entsprechenden Zeichen packen. Da war der Zugang aber höher und enger, und es standen nur zwei enge Fahrradplätze zur Verfügung. Wir nahmen also den komfortableren Wagon. Die Tür war so breit und der Einstieg so niedrig, dass wir die Fahrräder mitsamt des Gepäcks ohne Probleme hineinhieven konnten. Aber um die Fahrräder ordnungsgemäß unterzubringen, muss man auf jeden Fall das Gepäck abnehmen, denn die Fahrräder werden an einem an der Decke befindlichen Haken aufgehängt. Wenn wenig Fahrradbetrieb ist, kann man sie aber auch einfach vollbepackt stehen lassen. Da sind die französischen Schaffner recht locker. Leider stellte sich heraus, dass in unserem Problemreifen tatsächlich ein Loch war. Mist! Wir mussten nochmal in Mulhouse (auch dort gab es einen Aufzug) umsteigen, um dann mit einem weiteren TER endlich gegen 15.30 Uhr in Belfort anzukommen. Es regnete! Na ja, war angekündigt. Wir mussten sowieso erstmal das Rad flicken.
Das war schnell erledigt. Noch die Fahrräder die Treppen runter- und wieder raufschleppen, umziehen und los ging es. Der Regen störte uns nicht allzusehr. Wir kamen zügig durch die Stadt, fanden eine Tankstelle, um wieder den nötigen Luftdruck auf den Reifen zu bekommen - dabei brach die Metallplatte, an der mein Fahrradständer befestigt ist, fast ganz ab -, der Regen hörte auf und wir fuhren vergnügt am "Canal de la Haute Saône" nach Montbéliard. Kurz vorher trafen wir dann auf die offizielle Route und damit auf den "Canal du Rhône au Rhin", der uns lange begleiten sollte. Die Strecke war bisher gut markiert und in einem tadellosen Zustand. In Montbéliard pausierten wir in schönem Sonnenschein auf der Terasse einer Bar. Ein kleiner Einkauf in einem Supermarché für abends und weiter ging es zum Campingplatz in "L'Isle-sur-le-Doubs", den wir gegen 20.30 Uhr erreichten.
Der Himmel war noch bedeckt. Es war aber trocken. Kein Mensch war unterwegs und wir genossen die Stille und die ruhige Landschaft. Hin und wieder ein kleiner Stopp, um etwas zu trinken. Wir fuhren zügig, was auf den gut geteerten Radwegen am Doubs, bzw. am Kanal kein Problem war. So erreichten wir gegen 14.15 Uhr Besançon.
In Besançon wollte ich mir eigentlich einen neuen Fahrradständer besorgen. Auf der Karte ist ein Fahrradgeschäft eingezeichnet, aber das existierte nicht mehr. Wir schauten uns noch ein bisschen die Stadt an, setzten uns an ein Café und aßen mit Appetit ein Sandwich. Nach dem obligatorischen Einkauf für das Abendessen im Supermarkt, genossen wir noch eine kurze Rast in einem Park. Gegen 16.15 Uhr brachen wir zum letzten Abschnitt auf. Kurz nach Besançon fuhren wir tatsächlich noch bei einem Fahrradgeschäft vorbei, dass sich klug genau an der "Route six" postiert hatte. Dort bekam ich dann einen neuen Fahrradständer. Wegen der kaputten Mittelplatte neben dem Tretlager aber einen Hinterradständer. Den mag ich nicht so gern, aber es blieb mir nichts anderes übrig. Kurz nach 18 Uhr waren wir in Osselle. Leider war der Campingplatz nicht dort, wo die Karte und auch Google-Maps ihn eingezeichnet hatten. Der Ort war klein, wir fuhren ihn einmal ab, fanden ein Hinweisschild und waren angekommen.
In Pagny-la-Ville gibt es zwei Möglichkeiten für die weitere Tour. Eine führt durch die Weinbaugebiete des Burgund, die Côte d'Or, die andere geht entlang der Saône. Da wir schon mal in der Weinregion des Burgund waren, wählten wir die andere. Leider verließ uns damit auch die Markierung, obwohl diese Route angeblich die Hauptroute der "Route six" ist. Wir fuhren jetzt mehr nach Karte, fanden einige Abzweigungen nicht und beschlossen deshalb auf direktem Wege nach Seurre zu fahren. Es war Sonntag und wir fanden mit Mühe und Not einen kleinen Bäcker, der auch ein bisschen Dosenfutter hatte. Teuer, aber immerhin hatten wir was. Wir planten zwar abends Essen zu gehen, aber ich hatte keine Ahnung, ob es an unserem Zielort überhaupt etwas Restaurant-Ähnliches gibt. Wir machten am Fluss Rast und aßen unsere Kekse auf. Die letzten 18 km nach Verdun-sur-le-Doubs hatten es nochmal in sich. Gegen 19 Uhr trudelten wir am Campingplatz ein. Der sah auf den ersten Blick ganz okay aus, allerdings waren die Sanitäranlagen indiskutabel. Einzelheiten erzähle ich lieber nicht. Wir hatten schon bei der Fahrt durch den Ort gesehen, dass wir tatsächlich Essen gehen konnten. Wir machten in Ruhe alles fertig, schwangen uns auf die Räder - ohne Gepäck war es jetzt zuerst wieder unglaublich wackelig - und genossen ein ordentliches Mahl. Es ging. Alles schnell verpackt, noch zum Bäcker Croissants kaufen - leider hatte der keine Milch - und los. Wir verließen die Route, die einen großen Schlenker macht, um auf möglichst direktem Wege nach Chagny zu fahren. Wir machten nach ungefähr der Hälfte der Strecke in St-Loup-de-la-Salle Frühstückspause. Dort gab es dann auch Milch. Dann schnell weiter. Kurz vor neun waren wir am Bahnhof. Jetzt noch orientieren. Wir begannen schon wieder mit der Schlepperei wegen der Treppen, als uns ein Schaffner freundlicherweise mitteilte, dass es ein Stück weiter nördlich eine Straßenunterführung gibt und man von der Rückseite auch auf den Bahnsteig kommt. Fein! Der Zug entpuppte sich als Bimmelbahn. Die Fahrräder mussten ins Gepäckabteil, das zwar eine große Tür hatte, aber die Ladekante war ungefähr 1,30 Meter über dem Bahnsteig. Immerhin ging das mit halbwegs beladenem Fahrrad. Der Rest war schnell hinterhergeschmissen.
Nett! Ein schönes Städtchen. Nichts Besonderes, aber wie gesagt: Nett! Wir leisteten uns eine gemeinsame Pizza in einer Brasserie, während an den Nebentischen hausgemachte Burger mit 320g Hackfleisch verspeist wurden, und genossen das Stadttreiben. Ich suchte noch nach einem kleinen Naschpräsent als Dankeschön für die Gepäckaufbewahrung, das Abendessen war einzukaufen und eine Wäscheleine. Denn wir konnten sonst unsere Wäsche nicht zum Trocknen aufhängen. Daran hatte ich zu Hause nicht gedacht. Wir machten uns dann gegen 14.30 Uhr wieder auf den Weg. Um auch hier den möglichst direkten Anschluss zur Route zu finden, fuhren wir quer durch die Stadt. An der Loire trafen wir dann wieder auf die Route. Der Weg war aber jetzt nicht mehr so gut: Schlecht bis gar nicht markiert, hin und wieder ein neu erstellter Routenabschnitt, der aber so nicht auf unserer Karte eingezeichnet war, und eine zum Teil sehr schlechte Fahrbahnbeschaffenheit. Auch die Landschaft war etwas eintönig. Zwar verlief die Route an der Loire entlang, von der aber meistens nichts zu sehen war. Ein Abschnitt auf einem Deich war nagelneu angelegt, nervte aber durch ständige Barrieren gegen unerlaubten Autoverkehr, die auch von Fahrrädern nur mühsam umkurvt werden konnten; ausserdem war der Abschnitt absolut eintönig: Rechts Sträucher und Bäume, links Sträucher und Bäume. Wir wurden zudem das erste Mal wirklich von Gegenwind geplagt. Teilweise war er auch vorher schon unangenehm spürbar gewesen. Das hatte ich bei der Routenplanung übersehen. Wir fuhren ja von Ost nach West, und von etwas südlicher nach etwas nördlicher. Das geht nicht ohne Gegenwind. Er sollte uns auch weiter noch spürbar quälen. Zu guter Letzt verfuhren wir uns noch, weil ein Wegweiser, der sich später als richtig herausstellen sollte, uns zu einem Ort schickte, zu dem wir aber nicht wollten und dem wir deshalb nicht folgten. Pech gehabt! Aber auch die richtige Route war wieder in sehr schlechtem Zustand, so dass wir genervt gegen 19 Uhr in St-Satur ankamen. Eigentlich hatten wir noch vor, Sancerre anzuschauen, dazu fehlte uns aber die Lust. Ich musste Wäschewaschen. Die Wäscheleine verrichtete gute Dienste. Meinen Sohn lockte ein benachbarter Tennisplatz. Er gehörte nicht wirklich zum Campingplatz, aber es gab eine Art Übereinkunft, dass die Gäste dort für acht Euro Platzmiete spielen durften. Schläger und Bälle konnte man sich am Accueil umsonst ausleihen. Wir spielten noch anderthalb Stunden. Es hat Spaß gemacht, wenn wir auch deswegen spät ins Bett kamen. Wieder wollten wir ein Stück mit dem Zug überbrücken. Diesmal war der Bahnhof nur ca. zwei Kilometer entfernt. Der Zug fuhr um 10.57 Uhr. Wir brachen um 10.30 Uhr auf - für alle Fälle. Der Bahnhof ist ein besserer Gartenzaun. "Hoffentlich hält hier überhaupt ein Zug". Aber tatsächlich. Der Zug fuhr ein, wir sahen kein Fahrradzeichen an den Türen und bevor wir großartig suchen konnten, signalisierte uns eine Schaffnerin, dass wir einfach einsteigen könnten. Die Türen waren schmal und hoch, aber es gelang mit viel Gezerre und Hilfe von Innen die beladenen Fahrräder in den Zug zu wuchten. Sie standen jetzt total im Weg, aber die Schaffnerin meinte, dass sei okay; bis der Zugchef kam. Der hat seine Ausbildung bestimmt bei der Deutschen Bahn genossen - er konnte auch etwas Deutsch - und machte uns klar, dass das ja wohl nicht ginge. Und das in französischen Zügen die Fahrradplätze IMMER ganz vorne und ganz hinten seien. Was nicht stimmt. Wir hatten es schon anders erlebt und erlebten es auch noch mehrmals anders. Egal. Er konnte motzen und die Fahrräder blieben trotzdem wo sie waren. Wir fuhren ja auch nur ein knappes halbes Stündchen bis Gien. Dort die Fahrräder wieder raus. Treppen! Und auf einer Alternativroute suchten wir Anschluss zu der "Route six". Da wir nur nach der Karte fuhren, landeten wir, trotz korrektem Kartenlesens auf einem fast unbefahrbaren Damm. Egal - durch. Aber das kostet immer Zeit. Wir machten Rast in Sully-sur-Loire. Der Besuch eines Supermarchés brachte uns nicht die gewünschten Sandwiches ein, aber immerhin Teilchen und Saft. Also doch richtig in den Ort hinein, der ein kleines hübsches Château besitzt. Dort gab es keinen Bäcker der offen hatte. Sowas! Aber, man höre und staune, einen Kebap-Laden. Immerhin, das musste reichen. Wir setzten uns am Ufer der Loire ins Gras und machten eine schöne Rast.
Und weiter! Bald spielte uns die nur halb vorhandene Markierung wieder einen Streich - ärgerlich; und in Châteauneuf-sur-Loire war die Loire-Brücke schlecht ausgeschildert. Wir mussten uns nach einer kurzen Phase der Orientierungslosigkeit durchfragen. Auch geschafft! Jetzt ging es wieder rund. Gute Wege, die Landschaft wurde wieder hübscher und wir erreichten relativ entspannt Orléans. Zum Campingplatz war es dann doch noch eine Ecke zu fahren. Es war einfacher Camping municipale. Aber er war okay. Leider ohne Waschmaschine oder Wäschetrockner. Ich fuhr schnell im nahen Hypermerché etwas einkaufen, während mein Sohn sich ausruhte. Dann machten wir uns, statt die Stadt anzuschauen, gemeinsam auf die Suche nach einem Waschsalon. Es war gegen 20.40 Uhr. Wir fragten uns durch. Der erste, den wir fanden, hatte schon seit 20 Uhr zu. Die Tür stand aber offen. Dummerweise war der Waschmittelspender kaputt. Den nächsten verfehlten wir nur knapp. Der machte um 21 Uhr zu. Wir suchten noch eine Weile, gaben dann aber entnervt auf. Ich wusch die Sachen nochmal flüchtig durch - in einer Plastiktüte mangels Beckenstöpsel - und hängte sie wieder auf, in der Hoffnung, dass sie am nächsten Tag wenigstens ein bisschen trocken sein würden. Dann schnell noch was Essen und Nachtruhe.
Die Wäsche war leider weit von dem Zustand trocken entfernt. Wir brachen dann gegen 11 Uhr auf. Heute stand die erste Schlossbesichtigung auf dem Programm. Wir mussten 53 km zurücklegen, um zum Château Chambord zu gelangen. Ich hatte dieses Château ausgesucht, weil es eingermaßen auf der Strecke lag, und für seine Architektur berühmt ist. Der Weg dorthin zog sich etwas in die Länge. Am Schloss angekommen wird man als Radfahrer ziemlich umständlich um das Schloss herumgeführt, bis man endlich wirklich hinkommt. Wir stellten die Fahrräder beim Fahrradverleih ab und hofften, dass unser Gepäck nicht geklaut wird. Dann machten wir uns auf den Weg zum Haupteingang.
Bei der Weiterfahrt verpasste ich den Routenanschluss. So fuhren wir nach Karte bis Blois. Diesmal reibungslos. In Blois kauften wir schnell ein und legten die letzten Kilometer bis zum Campingplatz in "Candé-sur-Beuvron" zurück. Gegen 20 Uhr kamen wir an. Dort gab es ein Piscine, dass wir sofort nutzten - leider mit viel Chlor. Und dort konnte ich endlich auch Wäsche waschen und in den Trockner schmeissen. Wir kamen spät ins Bett. Das Château ist ein Wasserschloss. Es ist komplett über den Cher gebaut. Ursprünglich gab es nur ein Haupthaus und eine Brücke über den Cher. Auf dieser Brücke hat man später das Schloss erweitert. Mit dem Ruderboot kann man jetzt unter dem Schloss durchfahren. Wir statteten uns wieder mit Besichtigungsführer und Audio-Guide aus und bestaunten das schöne Rennaissance-Schloss. Ein Besuch des Labyrinths schloss die Besichtigungstour ab.
Noch vor 18 Uhr kamen wir an. Nachdem wir uns eingermaßen häuslich niedergelaasen hatten, nutzten wir die relativ frühe Ankunftszeit zu einer Spritztour in die Stadt. Schön ist es dort. Wir schlenderten mit dem Fahrrad durch die Gassen, fanden einen wunderschünen Platz der komplett mit Außengastromonie gefüllt war, ließen uns an einem Tisch nieder und genossen den schönen Abend. Nach Tours werde ich auf jeden Fall nochmal fahren. Auf der Rückfahrt zum Campingplatz konnte ich vorne nicht mehr in den großen Zahnkranz schalten. Doof. Aber das wollte ich am nächsten Tag regeln. Die Routenführung durch das Naherholungsgebiet von Tours ist abenteuerlich. Eigentlich schön, aber ungeheuer zeitraubend, da man immer wieder unerwartete Abbiegemanöver, kleine Zugangsbarrieren, Ampeln und sonstige Hindernisse zu überwinden hatte. Dann weiter am Cher. Schön zu fahren und schön zu schauen.
Besonders beeindruckt hat mich, dass der Nutzgarten genauso akkurat und gartenarchitektonisch angelegt ist wie die Schmuckgärten. Um jedes Beet gab es eine Buchsbaumhecke. Und ganz außen war jeweils ein großes Viereck von schönen Blumen umrahmt. Doch hier sollen lieber die Bilder sprechen, die es in der Bildergalerie gibt. Weiter ging die Fahrt. Wir trafen endlich wieder auf die Loire. Das Tolle an diesem Fluss ist ja, dass er erst ab Nantes von der Schifffahrt genutzt wird. Außer den Motorbooten für Wasserski habe ich kein einziges Schiff auf der Loire gesehen, seit wir hinter Nevers auf sie getroffen waren. Der Fluß ist noch in relativ ursprünglichem Zustand. Die vielen Sandbänke, Verzweigungen, Seitenarme und Inseln machen aus ihr einen wirklich besonderen Fluss.
Kurz vor Saumur, unserem Ziel, schlängelt sich die Route um die recht befahrene Hauptstrasse. Mal rechts in kleine Nebenstraßen, mal links den Berg hoch, um nach 500 Metern wieder nach unten zu fahren, wieder rüber auf die andere Seite. Das nervte uns mächtig. Man hat den Eindruck, wie manchmal auch schon bei anderen Routenabschnitten, dass die Routenplaner fast schon panisch versucht haben, Fahrradfahrer und Autofahrer nicht zusammentreffen zu lassen. Als wir an eine Stelle kamen, an der es mit 18% Steigung den Berg hinauf geht, streikten wir und fuhren problemlos auf der Hauptstraße nach Saumur. Der Campingplatz war groß. Leider wurde uns aber nur ein sehr kleiner Platz zugewiesen. Extra für Loire-Fahrrad-Touristen. Doof! Auch der Weg zu den Sanitäranlagen war irgenwie seltsam. Aber es gab ein Piscine, das wir natürlich sofort testeten. Dann noch Einkaufen und eine kleine Besichtigungstour durch Saumur. Ein kleines aber feines Städtchen. Gleich hinter Saumur gab es wieder eine sehr seltsame Routenführung. Dann lange Zeit bequem an der Loire entlang. Schön ist es dort. Wieder ein seltsamer Schlenker der Routenführung. Diesmal scheint die betroffene Gemeinde darauf bestanden zu haben, dass die Streckenführung durch ihr Dorf geht. Wir weigerten uns wieder und fuhren auf der Hauptstraße weiter. Jetzt war es langsam Zeit für unsere Mittagsrast, aber dummerweise gab es nirgends Sandwiches zu kaufen. Bei der Suche nach einem entsprechenden Geschäft kamen wir von der Route ab, und wurden mit viel Verkehr und viel Gegenwind bestraft. Kurz vor Angers dann wenigstens ein Bäcker, der sowas Ähnliches wie Pizza hatte.
Der letzte Abschnitt war dann nochmal anstrengend. Die Route verlief durch eine Art Industriepark. Ein ehemaliges Schieferabbaugelände, das man zum Besucher- und Informationspark umgestaltet hatte. Bestimmt interessant, aber wir waren nicht in der Stimmung. Dann endlich in der Stadt. Wir waren früh da. Gegen 15 Uhr. Der Zug fuhr erst um 18.17 Uhr. Wir schlenderten mit dem Fahrrad durch die Stadt, setzen uns zweimal in eine Bar, dann ließ ich mir noch bei einem Coiffeur Haare und Bart schneiden - welch ein Luxus, und dann war es doch Zeit für den Zug.
Wir waren inzwischen erfahren genug, um unsere Fahrräder problemlos im Zug zu verstauen. Jetzt hatten wir über eine Stunde Zeit uns auszuruhen und zu lesen, während der Zug die Kilometer fraß, die wir aus Zeitgründen nicht mehr geschafft hätten. In St. Nazaire stiegen wir dann aus. Jetzt nochmal in den Sattel schwingen und in 45 Minuten die noch fehlenden Kilometer zu unserem Campingplatz in Pornichet abradeln. Wir hätten mit dem Zug sogar bis Pornichet durchfahren können. Aber ich hatte die Fahrkarten schon gekauft, bevor ich mich für einen Campingplatz entschieden hatte. |

Dann das erste Mal das ganze Gepäck an und auf den Fahrrädern verstauen. Funktionierte wie vorgesehen und wurde hoffentlich noch routinierter. Aufgestiegen - hui ist das wackelig - und ab zum Bahnhof. Der war nur ca. 2 km entfernt. Um 11.49 Uhr fuhr der Zug ab. Wir waren rechtzeitig da, um uns noch etwas zu orientieren. Glücklicherweise gibt es in Karlsruhe Aufzüge zu den Gleisen, die groß genug für zwei Fahrräder mit Gepäck sind. Mit uns warteten noch andere Radler auf den EC. Wir orientierten uns natürlich mit Hilfe des Wagenstandanzeigers über den Haltepunkt unseres Wagons.


Der Bäcker für die Frühstückcroissants war gleich um die Ecke, und er hatte auch Milch. Nach dem Frühstück alles einpacken und das Zelt wieder abbauen. Darin waren wir ungeübt und deshalb dauerte es noch zu lange. So kamen wir erst gegen 10.45 Uhr weg.
Da wir richtig ins Zentrum der Stadt wollten, hätten wir den einzigartigen Fahrrad- und Fußgängertunnel nicht benutzen müssen. Aber dieses Highlight wollten wir uns nicht entgehen lassen.
In Dole gab's die erste vernünftige Rast mit kurzer Stadtbesichtigung und einem Bar-Besuch, was in Frankreich ungefähr das Gleiche wie ein Café ist. Weiter ging's. Die Route verlässt kurz hinter Dole den Doubs und trifft nach 18 km auf die Saône.
In Nevers hatten wir eine kleine Stadtbesichtigung geplant. Das sollte unsere erste etwas ausgiebigere werden. Doch wohin mit dem Gepäck? Ich war frech, und fragte im Office de Tourisme einfach, ob ich die Sachen dort abstellen könne. Die nette Dame am Accueil sagte ja, ahnte aber wahrscheinlich nicht, um wieviel Gepäck es sich handelte, denn sie machte dann doch große Augen. Egal. Das Gepäck war verstaut und wir begannen mit der Besichtigungstour.
Morgens ist keine gute Zeit für eine Stadtbesichtigung. Viele Geschäfte haben noch zu, die Lieferwagen verstopfen die engen Fußgängerzonen und die Cafés sind leer. Wenigstens habe ich einen Eindruck gewonnen. Leider wird in der Stadt gerade eine Straßenbahn gebaut. Das hat sie nicht einladender gemacht. Vielleicht sollte ich ihr eine zweite Chance geben.
Das Schloss ist wirklich beeindruckend. Wir entschlossen uns zu einem Audio-Guide für meinen Sohn. Ich nahm mir einen deutschen Besichtigungsführer. Und los ging die Schlossbesichtigung. Nach zwei Stunden waren wir schlossmüde und fanden unsere Fahrräder unversehrt wieder.
Das zweite Schloss stand an. 33 km bis zum Château Chenonceau. Das war für meinen Sohn der anstrengendste Teil der Reise.
Wir machten uns nach einer Mittagsmahlzeit auf den Weg zu unserem Etappenziel Tours. Da der Campingplatz eher im Süden der Stadt liegt, die Route aber deutlich weiter nördlich auf die Stadt trifft, verließen wir hinter Bléré die "Route six" und fuhren auf relativ guten und vor allem schönen Wegen weiter am Cher entlang nach Tours. Nur das letzte Stück mussten wir auf einer vielbefahrenen Straße zurücklegen.
Wir fuhren zu unserem dritten Schloss, dem Château Villandry, das besonders bemerkenswerte Gärten hat. Und in der Tat: Es sind wunderschöne Rennaissance-Gärten. Auch das Schloss ist ansehnlich.
Auf dem weiteren Weg kamen wir zu einer kleinen Fähre zur Überquerung eines Kanals. Es hatten zwei Fahrräder darauf Platz und man musste sie mit Muskelkraft mit Hilfe einer Kette vom einen zum anderen Ufer ziehen. Abenteuer!
Beim Zugfahren in Frankreich ist sehr ungewohnt, dass auf dem Abfahrtsplan keine Gleisangaben stehen. Die werden erst etwa 20 Minuten vor Ankunft des Zuges in der Halle bekannt gegeben. Merkwürdig. Unser Zug hatte Verspätung.