Amstelmeer - Nordholland
Sonntag, den 07. Oktober 2007 um 12:15 Uhr

Wir waren auf Kurzurlaub in Oudesluis . Das ist in Nordholland in der Nähe von Schagen. Wir haben unser Boot mitgenommen, um auf dem Amstelmeer, das ganz in der Nähe liegt, zu segeln. Das Amstelmeer ist super dafür geeignet. Es ist fast direkt an der Nordsee, aber mit einem Deich zum offenen Meer hin abgeschlossen und deshalb ein Süßwassersee. Wir hofften auf beste Windbedingungen und ein paar schöne Segeltage. Wir hatten mit der "Watersport Vereniging Amstelmeer" Kontakt aufgenommen, um für eine Woche als Gastlieger die dortige Infrastruktur nutzen zu können.

Das Einpacken des Bootes (wir werden immer schneller!) und die ganze Fahrt mit dem Boot im Schlepptau waren schon fast Routine. Da es am Anreisetag schon zu spät war, parkten wir unser Boot erstmal in der Nähe des Ferienhauses und fuhren am nächsten Tag zum Amstelmeer.
Das Gelände der "Watersport Vereniging Amstelmeer" erwies sich als richtig kleine Marina, was leider unseren Bedürfnissen überhaupt nicht entgegenkam. Erstens war die Slipanlage (es gab keine Sliprampe) für andere Boote und besonders auch für andere Trailer bzw. Slipwagen (mit Winde) eingerichtet - das hätte mit unserem Boot gar nicht funktioniert - und zweitens hätten wir aus dem Hafen rauskreuzen müssen. Der war eng, und es war ziemlich windig. Das haben wir uns nicht zugetraut. Nach einigen Worten mit dem Vorsitzenden empfahl der uns, den "Lutjestrand", einen Surferstrand, aufzusuchen. Dort gebe es auch eine für uns geeignete Sliprampe.

Nach einigem Rumgesuche haben wir den "Lutjestrand" gefunden und tatsächlich - das sah schon viel besser aus. Auf dem Parken-Schild steht zwar "Nur für Surfer", aber der Parkplatzwächter hatte nichts dagegen. (Es waren auch schon ein paar Motorboote da.) Jetzt also alles auspacken und Mast stellen. Zunächst waren wir wegen des doch kräftigen Windes ein wenig skeptisch, entschlossen uns aber dann, es auf jeden Fall zu versuchen. Dabei konnten wir gleich ausprobieren, ob wir einen Trimm für stärkeren Wind hinbekommen. Es war sogar noch Shorty-Wetter. Dann das Boot ins Wasser. Über dem Slipweg ragten die Äste eines großen Baumes. Wir mussten das Boot geschickt darumherumkurven, was gar nicht so einfach war, da die Begrenzung des Parkplatzes und des Slipweges zur Sonnenwiese vor dem Strand aus kleinen Böschungen bestand. Es ging aber mit vereinten Kräften. Bis ca. 30 Meter in den See hinein, war es so flach, dass man nur bis zu den Oberschenkeln im Wasser stand. Wir drehten das Boot erstmal in den Wind, zogen es etwas auf den Strand und setzten die Segel. Jetzt das Boot noch aus dem flachen Bereich um all die Surf-Anfänger herum ziehen, und einsteigen.

Dann war alles perfekt. Wir hatten uns nur zu wenig zugetraut und den Trimm auf mehr Wind eingestellt. Jetzt verstehe ich auch, was gemeint ist, wenn man von angezogener Handbremse beim Seglen spricht. Also - mit Hilfe der Fockdrahtspannung den Mast gerader, Achterliek mehr schließen und ab ging die Post. Was ist das toll, ohne Böen, ohne drehende Winde, einfach Kurshalten, raus ins Trapez und rumflitzen. Ich habe mal wieder festgestellt, dass ich im Winter ordentlich an meinen Muckis arbeiten muss. Mir fehlt für längere Trapezarbeit einfach die Kraft. Wir wollten gerade zu einer letzten Runde ansetzen, segelten zum Glück gerade auf einem Vorwindkurs, als wir feststellten, dass der Bügel an einer Seite, sozusagen am Bügelfuß, abgebrochen war. Wir schifteten das Groß, um den Druck wegzunehmen - und die andere Seite brach auch ab. Mist!!!! Wir kamen aber ohne Probleme an den Strand zurück. Diesmal ließen wir das Boot aufgeriggt am See zurück. Nicht ohne Bedenken. Den nächsten Tag verbrachten wir mit dem Versuch, einen neuen Bügel aufzutreiben. Auch in Medemblik hatten wir kein Erfolg. Auf einen Tipp hin haben wir jetzt beschlossen, den Bügel durch ein Dreieck zu ersetzen. Leider lies auch das Wetter in den nächsten Tagen zu wünschen übrig, so dass wir unser Boot wieder einpackten und uns auf Besichtigungstouren in Alkmaar und Amsterdam verlegten.

Trotz nur eines Segeltages, hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Nicht zuletzt, weil wir uns entschlossen haben, dem Rursee den Rücken zu kehren. Es ist einfach zu mühsam und zu frustrierend unter schlechten Windbedingungen Trimm, Trapez, Spinnaker usw. zu lernen. Außerdem ist realistisch gesehen die für uns zum Segelnlernen nutzbare Fläche des Rursees auch nicht größer als z.B. die des Zülpicher Wassersportsees oder der Sechs-Seen-Platte. Mal sehen, wo es uns hinverschlägt.